Historisches Norderney 

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Norderney ein mondänes historisches Seebad. Bei meinen Recherchen im Stadtarchiv Norderney konnte ich viele Impressionen der damaligen Zeit finden. Wirf einen Blick in die glorreiche Seebad-Zeit. Mit den Pfeilen kannst du das nächste Bild auswählen. Auf meiner Instagramseite findest du weitere Bilder von Norderney.

Milchbar etwa 1912 - Lesehalle des August Scherl Verlages, im Hintergrund Braams Leihbibliothek

Die Milchbar auf Norderney - wer kennt sie nicht? Der perfekte Ort um einen spektakuläre Sonnenuntergang  zu beobachten. Zu Beginn des letzten Jahrhunderts war die Milchbar noch  die Lesehalle des August Scherl Verlages. Damals war der Pavillon mit einem Kegeldach versehen. 1935 wurde die Lesehalle dann zum ersten Mal zur Milchbar. 

Hermann Braams Leihbibliothek auf Norderney, etwa 1912

Neben der Milchbar am Eingang zur Strandpromenade stand die Leihbibliothek Hermann Braams. Seit 1879 brachte die Firma Hermann Brahms die Fremdenliste heraus, ein Verzeichnis aller Gäste auf der Insel. 1905 übernahm die Badezeitung diese Aufgabe. 

Badezeitung Norderney von 3. Juli 1913 mit der amtlichen Liste der angekommenen Badegäste und Fremden

Später übernahm die Badezeitung die Fremdenliste - Datenschutz war damals kein Thema. In jeder Ausgabe wurde aufgeführt, wer seit wann wo abgestiegen war. Etwa seine Durchlaucht Heinrich XXXII,  Prinz Reuß, der mitsamt Dienerschaft in der Viktoriastraße 7 untergekommen waren. 
Heute ist die Liste ein Schatz für Historikerinnen und Historiker. Mit ihr lässt sich genau nachvollziehen, wer auf der Insel war und wie lange. 

Werbung des Kaufhauses Peters, 1913. Dame mit Badekleid.

Mit der Badezeitung konnten sich die Sommergäste über aktuelle Veranstaltungen und Angebote informieren, wie hier mit der Anzeige des Kaufhaus Peters. Badekleider waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts knielang und oft aus Wollstoffen - und damit im nassen Zustand mehrere Kilo schwer. Dazu kamen Badehauben und Badeschuhe. Schwimmen war eine Herausforderung.

Seilspringende Kinder am Strand von Norderney, im Hintergrund aufgereiht die Badekarren, etwa 1912

Zu Beginn der großen Bäderzeit nutzen die Gäste für ihr Badeerlebnis noch die Badekarren, die hier im Hintergrund zu sehen sind. Im Karren zog sich der Sommergast zunächst aus und wurde dann mitsamt Karren in die Wellen gezogen. Dort stieg er eine Treppe hinab in das Meer. Die ganz Mutigen tauchten  unter, der Rest begnügte sich mit einem kurzen Aufenthalt im Meer. Nach wenigen Minuten ging es wieder zurück an den Strand. Zu Viktoria Bergs Zeiten waren die Karren größtenteils  aus der Mode gekommen. Sie standen am Strand aufgereiht und dienten als Umkleidekabinen.

Damen in weißen Kleidern, mit großen Hüten und Sonnenschirmen flanieren über Norderneys Straßen, etwa 1912

Auch abseits des Strandes hatte Norderney bereits damals viel zu bieten. Ob einen Knüppelkuchen mit Trinkschokolade in einem der vielen Cafés oder Flanieren entlang der bunten Auslagen der Geschäfte und Kaufhäuser - es gab immer was zu tun. Selbstverständlich trugen die Damen dabei Sonnenhut und  Schirm, denn die Frau von Welt bewahrte sich einen blassen Teint. Bräune zeichnete nur die Arbeiterinnen und Dienstmägde aus. 

Sommergäste auf den Tennisplätzen an der Kaiserstraße Norderney, etwa 1912

Wer vom Flanieren genug hatte, konnte sich auf den Tennisplätzen an der Kaiserstraße vergnügen. Die Kaiserstraße war damals die Prachtstraße der Insel. Dort reihten sich die prunkvollsten Hotels aneinander, wie der Europäische Hof, der Kaiserhof oder die Bremer Logierhäuser. Heute stehen an dieser Stelle zweckdienliche Apartmenthäuser, die kaum noch etwas vom Glanz der Zeit vermuten lassen. Aber zum Glück ist dieses Schicksal nicht allen Straßenzügen wiederfahren.

Conversationshaus Norderney, etwa 1912. Rechts ein Dienstmädchen mit Schürze und in der Hand einen Korb.

Seinen alten Charme bewahrt hat sich beispielsweise das Conversationshaus. Rechts befand sich der Bazar, kleine Läden, in denen die Sommerfrischler Andenken für Zuhause kaufen konnten. Hin und wieder trafen sich hier die Dienstmädchen zum Schwatz. Aber viel Zeit blieb ihnen nicht. Denn so müßig die Sommerfrische für die Gäste war, so hart war das Leben der  Dienstmädchen.